Der zweite Women7-Dialog fand 2019 unter französischem G7-Vorsitz statt. Ein Jahr zuvor hatte der kanadische Premierminister Justin Trudeau die „Gleichstellung der Geschlechter und die Stärkung der Rolle der Frau“ als oberste Priorität hervorgehoben und das Thema in alle G7-Diskussionen integriert. Im Jahr 2019 wollte Frankreich dieser neuen Tradition folgen und kündigte den Kampf gegen Ungleichheiten als Thema seiner Präsidentschaft an. Auch die feministische Zivilgesellschaft Frankreichs mobilisierte sich. Ihre Forderung: die Gleichstellung der Geschlechter in den Mittelpunkt des Beratungsprozesses zu rücken. An der W7-Koalition beteiligten sich mehr als 100 feministische Vereine und NROs, nicht nur aus G7-Ländern, sondern weltweit. Der Dialog 2019 wurde gemeinsam von CARE Frankreich und Equipop unter dem Motto „#feministscount“ geleitet. Dieses Motto war zudem der Titel der erfolgreichen W7-Kampagne.

Im Mai 2019 versammelten sich über 25 Redner*innen und 400 Teilnehmer*innen aus der ganzen Welt im UNESCO-Haus in Paris. Sie forderten die anwesenden G7-Gleichstellungsminister*innen und politischen Vertreter*innen auf sich für eine „wahrhaft feministische G7“ einzusetzen. Ziel des dritten internationalen W7-Gipfeltreffens war es, die G7-Staaten zu Eingeständnissen zu bewegen. Mit diesen sollten sie sich dazu verpflichten, Maßnahmen zu ergreifen, die über bloße Erklärungen hinausgehen und wirklich konkrete Fortschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter bedeuten. Vor und nach dem Gipfel wurden thematisch angepasste Empfehlungen für die*der G7-Umweltminister*in, die*der G7-Außenminister*in, die*der G7-Gesundheitsminister*in, die*der G7-Finanzminister*in und die*der G7-Arbeitsminister*in erarbeitet.

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Die W7-Empfehlungen 2019 konzentrieren sich unter anderem auf folgende Forderungen: Die Entwicklung und Umsetzung einer feministischen Außenpolitik, insbesondere die Verknüpfung von feministischer Diplomatie und öffentlicher Entwicklungshilfe; die Unterstützung des Empowerments von Mädchen und Frauen insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Bekämpfung von Gewalt; die Förderung der wirtschaftlichen Teilhabe von Frauen, der finanziellen Inklusion und den Zugang zu menschenwürdiger Arbeit für alle; und die Verabschiedung eines Rechenschaftsrahmens für alle G7-Engagements im Bereich der Gleichstellung der Geschlechter.

Nach dem G7-Gipfel der Staats- und Regierungschef*innen in Biarritz im August 2019 veröffentlichten die W7-Aktivistinnen eine öffentliche Erklärung. Mit der Erklärung kritisierten sie, dass die Abschlusserklärung der G7 ihre Erwartungen nicht ausreichend erfüllt habe: „Es wurden zahlreiche finanzielle Verpflichtungen eingegangen, aber […] Frankreich hat es nicht geschafft, eine feministische Diplomatie innerhalb dieser G7 zu verkörpern. Mehrere Schlüsselthemen in Bezug auf die Gleichstellung der Geschlechter haben es nicht auf die Agenda der G7-Führer*innen geschafft.“

Nichtsdestotrotz gelang es dem französischen W7-Beratungsprozess und -Interessensvertretung, das Thema Gleichstellung zusammen mit den W7-Forderungen in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte zu rücken. Ein weiterer Meilenstein der jungen W7-„herstory“.

Das International Center for Research on Women hat eine Berichtskarte veröffentlicht, um die Umsetzung der gleichstellungspolitischen Zusagen der G7 in Folge der französischen G7-Präsidentschfaft zu verfolgen.