W7-Erklärung zum Treffen der G7-Minister für Gleichstellungsfragen am 13. und 14. Oktober 2022

30 September 2022 |

Die Covid-19-Pandemie, die Klima- und die globale Staatsschuldenkrise sowie die Zunahme von Kriegen und militarisierten Konflikten haben unbestreitbar deutlich gemacht: Die Gleichstellung der Geschlechter ist in allen Politikbereichen und in allen Teilen der Gesellschaft von Bedeutung. Mit Blick auf das bevorstehende Treffen der G7-Gleichstellungsminister ruft die W7 die Staats- und Regierungschef*innen auf, sich auf die folgenden Themen zu konzentrieren:

  1. Förderung einer gerechten Verteilung der Betreuungsarbeit und gleicher Bezahlung

Pflege ist ein geschlechtsspezifisches Thema. Aufgrund globaler Finanzierungs- und Personalknappheit in der sozialen Infrastruktur tragen Frauen und marginalisierte Gruppen weltweit weiterhin die Hauptlast der Pflegearbeit. In Zeiten globaler Rezession, Lebensmittel- und Energieversorgungskrisen reichen die derzeitigen Maßnahmen zur Abschwächung der intersektionalen und verstärkten strukturellen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie nicht aus. Die W7 fordert die Staats- und Regierungschef*innen der G7-Staaten auf, langfristige geschlechtsspezifische Maßnahmen zu ergreifen, die sowohl die unbezahlte als auch die unterbezahlte Pflegearbeit anerkennen und überwinden.

  1. Beseitigung der Diskriminierung in der Arbeitswelt und im Unternehmertum

Diskriminierung von Frauen in all ihrer Vielfalt muss durch die Förderung menschenwürdiger Arbeit und den gleichberechtigten Zugang zu Finanzmitteln, Märkten und Beschaffungsmöglichkeiten beseitigt werden. Die Staats- und Regierungschef*innen der G7 müssen private Unternehmen und staatliche Einrichtungen verpflichten, regelmäßig transparente Prüfungen der Lohngleichheit durchzuführen und verbindliche Mindestlöhne einzuführen, um das geschlechtsspezifische Lohn- und Rentengefälle ein für alle Mal zu beseitigen.

  1. Verbesserung der Beteiligung von Frauen in Führungspositionen

Die Beteiligung von Frauen muss in allen Handlungsbereichen gewährleistet sein. Dies gilt für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), aber auch in der Außenpolitik oder bei der Bewältigung der globalen Klimakrise. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Frauen und gendervariante Menschen aus verschiedenen Gemeinschaften, die mit unterschiedlichen Hindernissen für die Gleichstellung der Geschlechter konfrontiert sind, aktiv in Führungspositionen mitwirken können. Die sinnvolle Beteiligung von Frauen sollte sich nicht auf Führungspositionen beschränken, sondern für alle Entscheidungsebenen in allen Teilen der Gesellschaft gelten.

  1. Eintreten für die Rechte von LGBTIQ*-Personen

Die W7 begrüßt das kürzlich veröffentlichte G7-Dashboard zu Gender Gaps. Angesichts der Fokussierung auf LGBTIQ*-Rechte fordert die W7 die Staats- und Regierungschef*innen der G7 jedoch auf, den Fokus von einem binären Verständnis auf eine intersektionale Perspektive zu verlagern. In Zeiten von Anti-Rechts-, Anti-Demokratie- und Gender-Backlash ist die Förderung und Verbesserung der Rechte von LGBTIQ* und BIWOC von äußerster Wichtigkeit, um die vielfältigen und sich überschneidenden Ungleichheiten sichtbar zu machen.

Women7 fordert die G7-Gleichstellungsminister*innen zum Handeln auf:

  1. Gender als übergreifendes Prinzip in allen Politikfeldern auf innen- und außenpolitischer Ebene anwenden.
  2. Zusätzliche 2 % des BIP eines Landes in die soziale Infrastruktur investieren.
  3. Ratifizierung, Finanzierung und Durchsetzung der ILO-Übereinkommen (98, 151, 154, 189, 190) und Investitionen in Transparenzinstrumente, einschließlich der Stärkung der Gleichstellung in ESG-Standards.
  4. Gewährleistung einer sinnvollen Beteiligung und Vertretung von Frauen und Mädchen in ihrer ganzen Vielfalt bei der Entscheidungsfindung und Förderung der Rechte von Schwarzen, indigenen und People of Color sowie LGBTIQ*-Gemeinschaften.
  5. Umsetzung einer geschlechtergerechten Haushaltsplanung auf internationaler und nationaler Ebene, um die geschlechtsspezifischen Auswirkungen aller Haushalte und Ausgaben sichtbar zu machen.
  6. Investition in und Absicherung eines geschlechtsspezifischen, intersektionellen Ansatzes bei der Datengenerierung, -erfassung, -analyse und -verbreitung.
  7. Schaffung von Mechanismen zur Überwachung der Umsetzung von Gleichstellungsmaßnahmen, die geschlechtsspezifische Veränderungen bewirken und Frauen in ihrer ganzen Vielfalt bei jedem Schritt berücksichtigen.

Während sich die deutsche G7-Präsidentschaft dem Ende zuneigt, fordert die W7 die Staats- und Regierungschef*innen der G7 weiterhin auf:

Es ist an der Zeit, bei der Gleichstellung der Geschlechter und einer integrativen und feministischen Politik zu handeln!

 

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